Fernseher
Als Fernsehen (auch kurz TV, vom griechisch-lateinischen
Kunstwort Television) bezeichnet man den technischen, ökonomischen und
kulturellen Komplex, der sich um die Aufnahme von Bewegtbildern und
Tönen an einem Ort, deren nahezu zeitgleiche oder zeitverzögerte
Übertragung an einen anderen Ort sowie ihre dortigen Wiedergabe mit
Hilfe eines Fernsehgerätes herum gebildet hat.
Geschichte
Technik
Für das Fernsehen wird üblicherweise modulierte Hochfrequenzübertragung
über Antennen oder kabelgebunden (Kabelfernsehen) genutzt. Die
Übertragung über Antennen erfolgt dabei entweder über terrestrische
Frequenzen (Antennen-Fernsehen, auch terrestrisches Fernsehen genannt)
oder aber nicht-terrestrisch mit Hilfe von Fernsehsatelliten
(Satellitenfernsehen).
Auf welche Weise die Bild- und Lautsprecherdaten bei der Übertragung
kodiert werden, hängt von der verwendeten Fernsehnorm ab. Es gibt
weltweit eine Vielzahl von Fernsehnormen, die jedoch auf wenige
Grundparameter reduziert werden können; dabei wird zunächst einmal
zwischen analogem Fernsehen und digitalem Fernsehen unterschieden. Als
analoges Fernsehen bezeichnet man Fernsehen, bei dem zumindest die
Bilddaten, meist aber auch die Tondaten analog übertragen werden. Beim
analogen Fernsehen ist die Methode der Farbübertragung ein
entscheidender Parameter zur Unterscheidung der verschiedenen analogen
Fernsehnormen. Weltweit wird das analoge Fernsehen gegenüber der
digitalen Bildübertragung zunehmend verdrängt. Siehe digitales
Fernsehen, Analogabschaltung.
Finanzierung
Beim Medium Fernsehen stehen wenige Programmanbieter einem
Massenpublikum von mehreren Millionen Zuschauern (Konsumenten)
gegenüber.
Dieser Umstand ist in den meisten Ländern historisch bedingt, da
aufgrund der bestehenden Gesetze das Fernsehen ausschließlich von
öffentlichen Anstalten betrieben wurde. Dies änderte sich mit sinkenden
Sendekosten und der Liberalisierung des Marktes. Die Kosten zur
Produktion der Inhalte werden seitens der Programmanbieter auf
verschiedenen Wegen eingenommen (siehe hierzu Duales Rundfunksystem).
Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die einen staatlich
festgelegten Programmauftrag haben, an dem sich die Inhalte zu
orientieren haben, finanzieren sich in Deutschland zu einem großen Teil
aus staatlich festgelegten Gebühren (siehe hierzu auch GEZ) und Werbung.
Einige weitere Einnahmequellen bestehen im Weiterverkauf oder in der
Lizenzierung eigener Fernsehproduktionen.
Die privaten Fernsehsender finanzieren sich dagegen fast nur durch
Werbung. Fernsehproduktionen werden in der Regel nur in Auftrag gegeben
und ein Großteil der Programminhalte gekauft oder lizenziert. Bei den
gekauften oder lizenzierten Produktionen der deutschen privaten
Fernsehsender handelt es sich meist um umsatzträchtige US-amerikanische
Serien oder Filme, teilweise ganze Fernsehformate.
Neben den öffentlich-rechtlichen und den privaten Fernsehsendern gibt es
noch so genannte Bezahlfernsehsender (engl. Pay TV; auch subscription
television), die vom Zuschauer direkt bezahlt werden (z. B. Premiere
oder Dokumentationen). Diese verschlüsseln ihre Sendungen, die so nur
mit speziellen Decodern gesehen werden können. Der Zuschauer bezahlt
dann je nach System entweder pro Programm beziehungsweise Programmpaket
oder pro Sendung. Für die Zukunft ist auch eine Bezahlung auf Bestellung
geplant. Da Werbung vom Zuschauer meist als störend empfunden wird,
verzichten Bezahlfernsehsender in der Regel auf Werbung zur
Finanzierung. Dies gilt auch oft als Hauptargument, sich für ein
Bezahlfernsehabonnement zu entscheiden, wobei auch die Eigenwerbung als
störend empfunden werden kann.
In Großbritannien existiert auch eine Zwischenform. Das dortige BSkyB
ist zwar Bezahlfernsehen, es enthält jedoch trotzdem etwa soviel Werbung
wie werbefinanziertes Privatfernsehen.
Nutzung
In der Bundesrepublik hat sich Fernsehkonsum seit Einführung des
Fernsehens stetig erhöht. Im Schnitt sah jeder Bundesbürger im Jahr 1992
210 Minuten täglich fern. Im Jahr 2004 waren es bereits 380 Minuten,
also dreieinhalb Stunden. Hochgerechnet auf ein Jahr entspräche dies
einer Non-Stop-Fernseh-Dauer von knapp 2 Monaten pro Jahr.
Überdurchschnittlich viel sehen Arbeitslose und ältere Menschen fern.
Inhalte
Das Fernsehen zählt zu den Massenmedien. Es hat Anteil an der
Meinungsbildung der Bevölkerung.
Genutzt wird das Fernsehen seitens der Zuschauer hauptsächlich zur
Unterhaltung, Freizeitgestaltung sowie zur Informationsbeschaffung oder
Bildung. Entsprechend unterteilt man die Fernsehsendungen auch in
Unterhaltungssendungen, Nachrichtensendungen und Bildungsfernsehen.
Letzteres wird in Deutschland, mit Ausnahme von Dokumentationen, gemäß
ihres Bildungsauftrages fast nur von öffentlich-rechtlichen
Fernsehanstalten angeboten. Zunehmend werden Bildung und Nachrichten mit
Unterhaltung zum so genannten Infotainment vermischt. Diese Art von
Sendungen wird auch zunehmend von privaten und Bezahlfernsehsendern
angeboten.
Das Spektrum der Unterhaltungssendungen ist äußerst vielfältig und
umfasst unter anderem Filme, Serien und Unterhaltungssendungen, die sich
in weitere Sparten unterteilen lassen. Zur Rubrik Bildungsfernsehen
gehören Dokumentationen, Politik-, Ratgeber- und Wissenschaftssendungen.
Seitens der Wirtschaft wird das Fernsehen zur Werbung benutzt. In kurzen
Werbespots werden einzelne Produkte und/oder Marken präsentiert und
deren Kauf empfohlen. Neben den Werbespots gibt es auch so genannte
Verkaufsshows oder Dauerwerbesendungen. Einige spezialisierte Sender, so
genannte Home-Shopping-Sender zeigen den ganzen Tag nichts anderes als
solche Verkaufsshows.
Für die Werbeindustrie ist das Fernsehen eines der wichtigsten Medien,
da auf diesem Weg viele Menschen erreicht werden können. Außerdem eignet
sich das Fernsehen für die Werbeindustrie, weil man mit diesem Medium
besonders gut Gefühle und Emotionen beim Konsumenten wecken kann.
In Deutschland regeln gesetzliche Auflagen Dauer und Häufigkeit der
Werbung pro Sendung beziehungsweise Sendezeit. Die Rechte zur
Ausstrahlung von Werbung in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten
sind stärker eingeschränkt. Sie dürfen beispielsweise nach 20 Uhr, sowie
an Sonntagen und im ganzen Bundesgebiet anerkannten Feiertagen keine
Werbung ausstrahlen. Bei nicht öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten
darf die Werbung 20 Prozent des Programms, somit 12 Minuten pro Stunde,
bisher nicht überschreiten.
Staat und Politik benutzen das Fernsehen hauptsächlich dazu, die
Bevölkerung zu informieren und die Meinungsbildung zu fördern. Das
Spektrum der Inhalte reicht dabei von Hinweisen auf wichtige Ereignisse
bis zu Katastrophenwarnungen. Politiker versuchen oft über das Fernsehen
die Bevölkerung von ihren eigenen Ansichten zu überzeugen oder ihre
Arbeit zu rechtfertigen. In vielen Staaten wird Fernsehen auch häufig
seitens der Regierung zur Propaganda eingesetzt.
Ein weiteres Anwendungsgebiet der Fernsehtechnik besteht in
Videoüberwachung, die zunehmend günstiger wird, da die Technik
einerseits qualitativ besser und gleichzeitig billiger wird,
andererseits die besonders kostenintensive Herstellung von Inhalten
entfällt.
In der Weltraumforschung, die sowieso hohe Kosten für Missionen
veranschlagt, wird die Fernsehtechnik ebenfalls eingesetzt. Allerdings
werden hier selten bewegte Bilder aufgenommen. Stattdessen kommen
Spezialkameras zum Einsatz, die oft besonders hohe Auflösungen besitzen
und/oder Licht anderer Spektralbereiche, als die vom menschlichen Auge
wahrgenommen, aufzeichnen und teilweise zeitversetzt zur Erde senden.
Sendeabwicklung und Archivierung
Technische Koordinationsstelle jedes Rundfunksenders ist der Schaltraum.
Hier kreuzen sich alle ein- und ausgehenden Signale. Dabei gilt der
Grundsatz, dass für jeden Bildkanal automatisch ein Audiokanal
freigeschaltet wird (Audio follows video). Im Schaltraum treffen die
Signalströme von Satellitenübertragungen, Berichte aus den Außenstudios
und Live-Schaltungen zu den Korrespondenten und Ü-Wagen zusammen. Eine
Kommandoverbindung führt zu den anderen technischen Einrichtungen des
Senders wie Aufnahmestudios, Kontrollraum, Grafik, Schnitt, Regie etc.
Bei vielen Sendern sind die technischen Abteilungen bereits vollständig
miteinander vernetzt. So wird etwa ein Film am Computer geschnitten und
über das Netzwerk verschickt. Über den Schaltraum laufen auch
Direktverbindungen zu einem etwaigen Senderverbund (z. B. ARD-Stern)
Entwicklung
In der Frühzeit des Fernsehens wurden viele Sendungen live ausgestrahlt
oder als audiovisuelle Sequenz vorproduziert. Aufzeichnungen von
Live-Sendungen erfolgten damals teilweise noch durch Abfilmen vom
Monitor. Seit Mitte der 1960er-Jahre erfolgte die Studioaufzeichnung und
Sendeabwicklung vorgefertigter Inhalte mit MAZ-Geräten, aus denen Ende
der 1970er-Jahre die Videorekorder für den Heimbedarf entwickelt wurden
und die analoge oder digitale Signale auf Magnetbänder oder Festplatten
speichern und mit denen auch die Bearbeitung der einzelnen Beiträge
erfolgt. An ihre Stelle sind heute vielfach Computer getreten, die eine
Vielzahl an zusätzlichen Bearbeitungsmöglichkeiten bieten. Um die alte
Außentechnik weiter benutzen zu können, sind MAZ-Geräte aber immer noch
im Einsatz.
Mittlerweile sind die meisten Fernsehsender zu exakt programmierbaren
Videoservern übergegangen, auf die sich die Beiträge nach einer festen
Zeitabfolge speichern und abrufen lassen. Videoserver können große
Sendestrecken vollautomatisch fahren und reduzieren damit den
technischen und personellen Aufwand auf ein Minimum. Wegen der digitalen
Form der Signalaufbereitung erfolgt heute auch die langfristige
Speicherung (Archivierung) der Beiträge in digitaler Form. Die
Fernsehsender stecken gerade in einer Migrationsphase, weil ältere
Bestände der Fernseharchive oft mit großem Aufwand digitalisiert werden,
um eine weitere Schädigung der auf alten Magnetbänder gespeicherten
Inhalte zu verhindern und um einen schnellen Zugriff zu ermöglichen.
Digitale Archivierung und Verarbeitung
Die digitale Archivierung erfolgt heute überwiegend auf Bandmedien oder
Festplatten. Wegen der niedrigen Kosten werden heute überwiegend
LTO-Bänder verwendet. Bei den Dateitypen dominieren das IMX-Format von
Sony und das DVCPro50-Format von Panasonic. Die Auflösung beträgt
720x576 Pixel. Die Datenrate beträgt 50 Mbit/s, pro Stunde fallen bei
der Aufzeichnung etwa 27 Gigabyte an Daten an. Bei der alltäglichen
Archivierung wählen die Sender heute Kombinationslösungen zwischen Band
und Festplatte, weil bei der kurzfristigen Speicherung bei Festplatten
ein schnellerer Zugriff möglich ist. Die LTO-Bänder, die über eine
Speicherkapazität von 200-500 Gigabyte verfügen, werden von
computergesteuerten (redundanten) Robotern verwaltet, die einen Bestand
von bis zu 6000 Medien organisieren können. Eine derartige Bibliothek
fasst an die 1200 Terabyte pro Roboter.
Das moderne Computernetzwerk größerer Fernsehsender ermöglicht eine
vollautomatische Datenübertragung vom Datenband zum Videoserver und
umgekehrt, auch Online-Abfragen externer Archivkunden (andere Sender,
Agenturen etc.) können jederzeit abgewickelt werden. Moderne
Steuerungssoftware, wie DIVArchive, organisiert alle Anfragen und ist
mittlerweile so leistungsfähig, dass am PC Szenen aus einzelnen
Archivbeständen herausgeschnitten werden können, ohne dass der gesamte
Beitrag aus dem Archiv geladen werden muss (Partial Restore).
Sendeabwicklung und Archiv (das Herzstück jedes Senders) sind damit so
eng verzahnt, dass ein jederzeitiger Zugriff möglich ist. Bei analogen
Archivbeständen muss der jeweilige Beitrag immer noch von einem
Mitarbeiter aus dem Regal geholt und mühsam von Hand weiterbearbeitet
werden, was Zeit und Ressourcen kostet.
IMX und DV sind in Verbindung mit Wrapper-Formaten wie MXF geeignet,
Metainformationen zu speichern. Diese haben rein beschreibende Funktion
und enthalten neben Titel und Personenangaben auch Stichwörter zum
Sendungsinhalt. Anhand dieser Begriffe können die jeweiligen Beiträge
(ähnlich wie bei digitalen MP3-Musiksammlungen) direkt über das Netzwerk
aufgerufen werden. Damit lässt sich jeder Archivinhalt anhand direkt
eingegebener Stichwörter finden und öffnen.
Mangelnde Sorgfalt bei der Archivierung
Ältere Archive wurden zum Teil zerstört, teils aus politischen Gründen,
zum Teil einfach, um Platz zu schaffen. Viele Fernsehsender begriffen
gar nicht, welche Werte sie vernichteten. So sucht heute zum Beispiel
der britische Fernsehsender BBC weltweit nach eventuell noch vorhandenen
Kopien aus den Anfängen der Doctor-Who-Serie, bei der über 100 Teile
aus dem BBC-eigenen Archiv absichtlich vernichtet wurden.
Viele in der DDR gezeigte Filme verschwanden ebenfalls aus den Archiven
oder erreichten nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten
einen Zustand, in dem sie nicht mehr gezeigt werden können. Zu diesen
Filmen gehört zum Beispiel die Serie: „Heißer Draht ins Jenseits“.
Besonders Filme aus den Anfängen des Fernsehens wurden lange Zeit nicht
als genügend wertvoll zum Archivieren betrachtet. Videobänder waren
teuer und knapp und wurden nach dem Senden neu bespielt. Auch
Copyright-Gründe verhinderten das Interesse an einer Aufbewahrung. So
war ein erneutes Abspielen bereits gezeigter Filme teilweise mit sehr
hohen Gebühren verbunden.
Soziologische Betrachtung
Fernsehen ist ein Massenmedium und hat sich seit den 1950er Jahren in
den Industriestaaten zum Leitmedium entwickelt. Inzwischen haben rund 95
Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Fernsehgerät, 40 Prozent
davon sogar zwei oder mehr. Für viele Menschen ist es Teil des Alltags
geworden und strukturiert oft sogar den Tagesablauf. Es erfährt eine
Zuwendung durch alle Schichten und Altersgruppen und tritt mit einer
zuvor nicht gekannten Wirksamkeit an die Stelle aller Institutionen mit
publizistischem Anspruch, ohne diese aber vollständig zu ersetzen.
Fernsehen wirkt orientierend und nivellierend (ausgleichend).
Wichtigstes Instrument dafür ist die häufige Wiederholung. Dadurch wird
es zur Grundlage der allgemeinen Geschmacks- und Stilbildung und
beeinflusst die gesellschaftliche Kommunikation. Durch das verstärkte
Aufkommen von Spartenkanälen, verbunden mit der wachsenden Rolle des
Internets bzw. digitalen Fernsehens im gesellschaftlichen Leben, geht
die stilbildende Funktion des Fernsehens allerdings wieder zurück.
Jedermann kann in gewissen Grenzen sein eigener Programmdirektor werden.
Dies bewirkt eine zunehmende Zersplitterung und Fragmentierung der
gesellschaftlichen Wahrnehmung und Kommunikation. Damit sachgemäß
umgehen zu erlernen ist Aufgabe der Medienpädagogik. Das Fernsehen hat
wie alle Medien oft einen Einfluss auf die Meinungsbildung der
Konsumenten. Da die Inhalte des Fernsehens jedoch öfter als andere
Medien transportiert werden, hat es hierbei eine vorrangige Bedeutung.
Fernsehsender erheben oft den Anspruch, dem Zuschauer einen Blick auf
die komplexe Gesellschaft zu präsentieren. Immer mehr und
unterschiedlichere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erfahren eine
breiterwerdende mediale Beachtung. Aber der darzustellende Lebensbereich
muss interessant, verständlich und optisch umsetzbar sein. Damit geht
von vornherein eine Selektion einher, verbunden mit einer Reduktion der
vielfältigen kommunikativen Codes und Zeichensysteme, sowie einer
Spezialisierung und Perfektionierung akustisch-visueller Signale.
Tatsächlich ist es in vielen Fällen sogar so, dass Fernsehen die Themen,
über die Verständigung lohnend scheint, erst schafft. Auf der Suche
nach neuen Themen, die die Zuschauer binden, durchbrechen die
Fernsehmacher oft Grenzen, so dass es in den Augen vieler oft zu
Tabubrüchen kommt.
Sozialmedizinische Bedeutung
Mehrere Studien deuten darauf hin, dass die Höhe des Fernsehkonsums in
der Kindheit mit dem später erreichten Bildungsabschluss in reziproker
Beziehung steht (auf deutsch: viel Fernsehen = schlechterer Abschluss).
Außerdem wird hoher Fernsehkonsum mit Übergewicht, Bewegungsmangel und
den entsprechenden Folgeerkrankungen in Verbindung gebracht.
Begriffsbestimmung Fernsehen oder Lesen
Eine Alternative für eine Lesbarkeit von Texten im Fernseh-
Betrachtungabstand ist, diese in großen Schriften anzuzeigen Teletext
(oder eine Windows MCE Desktop Darstellung), allerdings scheidet dadurch
ein Anzeigen von gewöhnlich formatierten Webseiten am Fernseher aus.
Frühe Entwicklungen
In den Anfangsjahren der Entwicklung des Fernsehens wurden Begriffe wie
elektrisches Sehen, telegraphisches Sehen, elektrisches Fernsehen und
Telephanie benutzt.
Im Jahr 1883 erfand Paul Nipkow das „Elektrische Teleskop“, welches mit
Hilfe einer rotierenden Scheibe („Nipkow-Scheibe“), die mit spiralförmig
angeordneten Löchern versehen war, Bilder in Hell-Dunkel-Signale
zerlegte beziehungsweise wieder zusammensetzte. Nipkow gab damit
erstmals eine realisierbare Form für eine funktionierende
Fernsehbildübertragung an, die jedoch erst viele Jahre später umgesetzt
werden konnte. Durch die grundlegende Idee zur Realisierung wird Paul
Nipkow als Erfinder des Fernsehens bezeichnet. Die Technik zur
Bildzerlegung und -wiedergabe nach Nipkow war jedoch mechanisch und
damit nicht besonders leistungsfähig.
In den 1920er Jahren ersetzte Leon Theremin die Löcher in der
Nipkow-Scheibe durch Spiegelanordnungen und erreichte 1927 bereits
Übertragungen bei Tageslicht und Bilder mit 100 Zeilen auf großflächigen
Projektionen. Allerdings wurden seine Ergebnisse nicht publiziert,
sondern vom sowjetischen Geheimdienst zur Personenüberwachung genutzt.
(Der bekannte Weltrekord war damals 48 Zeilen.)
Das erste elektronische Fernsehen entwickelte 1926 Kálmán Tihanyi - das
„Radioskop“ (das zugehörige Patent ist mittlerweile in das
Weltdokumentenerbe aufgenommen worden). Auch Manfred von Ardenne
arbeitete an einem System 1931, das ebenso auf Grundlage der im Jahr
1897 von Ferdinand Braun zusammen mit Jonathan Zenneck entwickelten
Kathodenstrahlröhre (auch Braunsche Röhre genannt) funktionierte.
Diese ist die Grundlage für die bis heute am weitesten verbreitete
Methode, Bilder für das Fernsehen darzustellen. Die ersten Anwendungen
fand sie aber in Messapparaturen. Die für das Fernsehen entscheidenden
Weiterentwicklungen der Kathodenstrahlröhre steuerte Philo Farnsworth
bei, der 1923 den ersten brauchbaren elektronischen Bildabtaster, die
Ikonoskop-Röhre erfand, welche ab 1934 in Serie hergestellt wurde, heute
aber keine Verwendung mehr findet. 1929 erfand Sworykin die
Kineskop-Röhre zur Bildwiedergabe. Tatsächlich hatte Philo Farnsworth
schon 1927 unabhängig von Sworykin eine funktionierende
Kathodenstrahlröhre und Kameraröhre entwickelt und im Labor mit beiden
ein Bild übertragen, noch bevor Sworykin sein Bildröhrenpatent
realisierte. Somit erfand Farnsworth das Vorbild aller Fernsehgeräte,
die auf der Kathodenstrahlröhre basieren und ebnete so den Weg zum
vollständig elektronischen Fernsehen.
Das erste echte elektronische Fernsehbild erzeugte 1906 in Deutschland
Max Dieckmann (ein Schüler von Ferdinand Braun), der eine Braunsche
Röhre umgebaut hatte. Als Aufnahmeinstrument setzte Dieckmann jedoch
eine Nipkowscheibe ein. Mangels elektronischer Verstärkung im Jahr 1906
waren anstelle der Löcher in der Nipkowscheibe Drahtbürsten angebracht,
welche eine Metallschablone abtasteten. Diese Bilder konnten mit der
Hand bewegt werden, der Fernseher von Dieckmann gab so bewegte Bilder
(in einer Auflösung von 20 Zeilen bei 10 Bildern pro Sekunde) wieder. Da
es keine "richtige" Fernsehkamera gab, blieb der Fernseher von
Dieckmann zunächst ohne praktische Bedeutung, die Bildröhre wurde damals
als zu teuer und zu kompliziert angesehen.
Erst 1926 griff der Japaner Kenjiro Takayanagi die Idee wieder auf, und
baute auf Basis der Kathodenstrahlröhre einen funktionierenden
Fernseher, auf Senderseite wurde allerdings ebenfalls noch eine
Nipkowscheibe eingesetzt.
Fernsehen in Deutschland
Ab dem 22. März 1935 wurde in Deutschland das erste regelmäßige
Fernsehprogramm der Welt in hochauflösender Qualität ausgestrahlt (s.
Fernsehsender Paul Nipkow, Berlin). Dieser Titel wird jedoch von der BBC
streitig gemacht, da der Fernsehsender Paul Nipkow zunächst nur in 180
Zeilen sendete, die BBC hingegen seit 1936 mit 405 Zeilen. (1937 führte
Deutschland 441 Zeilen ein.) Schon seit 1929 gab es verschiedene
regelmäßige Fernsehdienste, so auch von der BBC, allerdings nur in
niedrigen Auflösungen zwischen 30 und 60 Zeilen. Ihren Höhepunkt
erlebten die Sendungen im Dritten Reich, die nur wenige tausend
Zuschauer in so genannten Fernsehstuben und Großbildstellen in Berlin
und später Hamburg erreichten, mit den umfangreichen Übertragungen von
den Olympischen Sommerspielen 1936. Hierfür wurde auch erstmals ein aus
15 Fahrzeugen bestehender mobiler Fernsehsender in Dienst gestellt. Für
die Darstellung der Fernsehbilder in Leinwandgröße in den
Großbildstellen wurde eine Projektionsröhre, genannt Eidophor,
entwickelt. Das Funktionsprinzip dieses Projektors führte später
schließlich zur Entwicklung des Videoprojektors.
1939 wurde dem damals schon weit verbreiteten Volksempfänger, einem sehr
einfach konstruierten Radio, der "Volksfernseher", offizielle
Bezeichnung "Einheitsempfänger", zur Seite gestellt (Deutscher
Einheits-Fernseh-Empfänger E 1). Es war geplant, dass fünf Firmen diesen
Fernseher in den folgenden Jahren in großer Stückzahl herstellen
sollten. Dieses Gerät war hauptsächlich mit Stahlröhren der 14er-Serie
bestückt und hatte einen fest eingestellten Empfangskanal. Das Gerät
verfügte über eine sehr hochwertige Rechteckbildröhre für 441 Zeilen und
Zeilensprungverfahren. Technisch gesehen war der E1 seiner Zeit weit
voraus, da die Bildröhre sehr flach war. Es trat kaum eine
Kissenverzerrung auf, somit ist diese Röhre mit Röhren aus den
1970er-Jahren durchaus vergleichbar. In Großbritannien wurde bereits
1936 mit "hochauflösendem Fernsehen", allerdings mit nur 405 Zeilen,
jedoch ebenfalls im Zeilensprungverfahren, begonnen. Der Ausbruch des
Zweiten Weltkriegs verhinderte jedoch eine Produktion des E 1 in großen
Stückzahlen. Die Angaben über die Anzahl der produzierten Geräte liegen
bei ca. 50. Der geplante Verkaufspreis lag bei 650 Reichsmark. Obwohl
die Nationalsozialisten auch das Fernsehen für ihre Zwecke zu nutzen
versuchten, blieb das Radio (sh. Hörfunk) wegen der Reichweite und der
erprobten Technik das wichtigste Medium für die nationalsozialistische
Propaganda. Es waren bis 1939 wahrscheinlich nicht mehr als 500
Fernsehgeräte in privater Hand. Zu Kriegsbeginn waren die Entwicklungen
aber schon weit gediehen. Breitbandkabel durchzogen bereits große Teile
des Deutschen Reiches, es war an eine kombinierte Verbreitung des
Fernsehprogramms über Antenne und Kabel gedacht. Im Winter 1944 wurden
die Fernsehsendungen, die zu dieser Zeit hauptsächlich der
Truppenbetreuung in hauptstadtnah liegenden Lazaretten dienten, im
Deutschen Reich eingestellt. Entwicklungen fanden seit Kriegsbeginn nur
noch für militärische Zwecke statt. Bekannt wurde z. B. die Gleitbombe
Henschel 293, die vom Flugzeug aus auf Seeziele abgeworfen werden
sollte. Sie hatte im Bug eine Fernsehkamera und einen nur ca. 5 kg
schweren Fernsehsender. Dieser und die Kamera waren batteriegespeist.
Der Sender sendete die aufgenommenen Bilder über eine im Heck eingebaute
Yagi-Antenne ans Mutterflugzeug, wo sie über einen Monitor und
Fernsteuerung ins Ziel gelenkt werden sollte. Das Kriegsende bedeutete
für Deutschland den Verlust sämtlicher Patente sowie ein striktes Verbot
von Entwicklungen auch im Bereich der Radio- und Fernsehtechnik.
Als europäische Norm wurden 625 Zeilen festgelegt. Diese Norm wurde von
beiden deutschen Staaten ab 1952 übernommen. In den USA hatte man sich
1942 in einem Kompromiss auf 525 Zeilen bei 60 Halbbildern im
Zeilensprungverfahren geeinigt, nachdem bereits verschiedene Sender mit
Auflösungen von 441 bis 608 Zeilen in Betrieb waren. Frankreich
entschied sich für eine eigene Norm mit 819 Zeilen, die zunächst auch
von Belgien übernommen wurde. Schnell wechselte man jedoch auf 625
Zeilen, für die Wallonie gab es noch einen kurzzeitigen Parallelbetrieb
mit 819 Zeilen. Großbritannien blieb bei der 405-Zeilen-Norm mit
amplidutenmodulierten Tonträger.
In der Bundesrepublik Deutschland sollte erst am 25. Dezember 1952 der
Fernsehbetrieb aus einem Hochbunker in Hamburg wieder aufgenommen
werden. Bereits 1955 stellte Philips einen Fernseher vor, der alle
europäischen Normen empfangen konnte. Der erste in der Bundesrepublik
nach dem Krieg in Serie hergestellte Fernseher war der Telefunken FE8.
Er kostete 1000 DM. Die Preise für Fernsehgeräte fielen im Laufe der
Jahre, und 1957 wurden die ersten Geräte unter 1000 DM angeboten. Ein
Statussymbol der 50er Jahre, aber nur für Wohlhabende erschwinglich,
waren sogenannte Fernsehtruhen, die Fernseher, Radio, Plattenspieler und
manchmal auch noch ein Tonbandgerät in einem meist truhenartigem
Gehäuse vereinigten. Solche "Röhrenfriedhöfe" wurden bis in die späten
60er produziert.
In der DDR begann der offizielle Fernsehbetrieb wenige Tage vor dem
westdeutschen Fernsehstart am 21. Dezember 1952 (Stalins Geburtstag).
Der erste offiziell verkaufte Fernseher war der vom Sachsenwerk
hergestellte Rembrandt 852B (mit runder Bildröhre). Der Vorgänger,
Leningrad T2, war hauptsächlich für Reparationsleistungen an die
Sowjetunion gedacht.
Entwicklungsschritte im technischen Bereich 1953 - Entwicklung des
ersten Videogerätes für den Studiobereich (MAZ) von Eduard Schüller
(Telefunken) im Schrägspurverfahren, das bis heute Grundlage aller
Videorecorder ist.
• 1953 - Die Eurovision zur europaweiten Ausstrahlung von Fernsehen wird
eingeführt. Erste europaweit empfangbare Sendung: Die Krönung von Queen
Elizabeth II.
• 1959 - Philco (USA) bringt mit dem Typ Safari den ersten (bis auf die
Bildröhre) volltransistorisierten Fernseher auf den Markt.
• 1960 - Sony baut mit dem Micro TV 5-202 den ersten Minifernseher mit 4,25-Zoll-Bildröhre.
• 1961 - Nordmende stellt mit dem Nordmende Präsident den ersten Fernseher mit kabelloser Ultraschallfernbedienung vor.
• 1970 - Telefunken stellt ein Bildplattensystem (TED) nur für
Wiedergabe vor. Die mechanische (!) Abtastung erfolgte mittels einer
Kristallkufe. Nach 400 Tagen wurde die Produktion wegen der hohen
Empfindlichkeit des Systems wieder eingestellt.
• 1972 - Philips stellt ein Bildplattensystem, ebenfalls nur für
Wiedergabe vor. Die Abtastung erfolgte hier mit einem Laser. Die Signale
wurden aber nicht digital, sondern frequenzmoduliert abgetastet.
• 1972 - Der erste Videocassettenrecoder für den Heimgebrauch wird als
Gemeinschaftsentwicklung unter der Federführung von Philips vorgestellt.
Er arbeitet nach dem VCR-System.
• 1973 - Leistungsfähige Thyristoren und Transistoren lösen im Fernseher
eine energieaufwendige Röhrentechnik ab. Einzige verbleibende Röhre ist
noch die Bildröhre.
• 1976-82 Inlinebildröhren und Modultechnik machen den Farbfernseher zum kostengünstigen Massenartikel.
• 1975-79 - Es werden drei unterschiedliche, nicht kompatible
Videosysteme vorgestellt: Das Video2000-System (Grundig, Philips), das
Betamax-System (Sony) und das VHS-System (JVC). Letzteres setzte sich
dann durch.
• 1982 - Sony präsentiert den ersten Camcorder.
• 1982 - In Deutschland wird der Stereoton fürs Fernsehen eingeführt.
• 1983 - Energiesparende Schaltnetzteile trennen erstmals das
Fernsehgeräte- Chassis kostengünstig galvanisch von Stromnetz, dadurch
ist auch eine Einführung der SCARTBUCHSE möglich.
• 1983 - Der CCD-Sensor (zu diesem Zeitpunkt mit einer Auflösung von
224.000 Pixel), der bis heute Bestandteil fast jeder Digitalkamera ist,
wird von Hitachi vorgestellt.
• 1984 - Start des kommerziellen Fernsehens in Deutschland.
• 1984 - Das Fernmelde-Satellitensystem ECS-1 ermöglichte auf der
geostationären Satelliten Position 13° Ost erstmals auch einen
Fernseh-Satellitendirektempfang.
• 1984 - Casio baut den ersten Taschenfernseher mit Schwarz-Weiß-LCD.
Seiko stellte kurz darauf sogar einen Armbandfernseher, ebenfalls mit
LCD vor.
• 1987 - Start des kommerziellen Fernsehsatelliten ASTRA.
• 1995 - Die DVD kommt auf den Markt.
• 1997 - Die neue Firma TiVo patentiert mit dem Patent US 6233389 zeitversetztes Fernsehen.
• 2003 - Das terrestrische Fernsehen in Deutschland wird digital.
• 2005 - Das HD - Ready Logo für LCD-, sowie Plasmafernseher wird eingeführt.
• 2006 - Blu-ray und HD DVD kommen als Nachfolger der DVD für Hochauflösendes Fernsehen auf den Markt.
• 2007 - ZDF startet eine Mediathek genannte Internet-Plattform, welche
neben parallelem (Live-TV) auch zeitversetztes Fernsehen über Internet
ermöglicht.
• 2008 - Einige europäische Fernsehsender starten mit der Übertragung in HDTV.
Farbfernsehen
Einer der Pioniere des Farbfernsehens war John Logie Baird, dem es 1928
gelang, erste farbige Fernsehbilder zu übertragen. Dies geschah aber
noch mit mechanischer Technik auf der Sende- wie Empfängerseite. Erst
mit der Erfindung der Schattenmaskenröhre bereits 1938 durch Werner
Flechsig in Deutschland, die in modifizierter Form bis heute Bestandteil
jedes Fernsehers oder Monitors mit Bildröhre ist, hatte man die
Möglichkeit, zumindest auf der Empfängerseite auf mechanische Bauteile
zu verzichten. 1939 wurden auf der Internationalen Funkausstellung
Berlin die ersten farbigen Fernsehbilder vorgeführt.
Ab den späten 1940er-Jahren wurden in den USA Versuchsendungen mit
verschiedenen Verfahren, z. B. mit rotierenden Farbfiltern für die drei
Grundfarben ausgestrahlt, aber keines der Verfahren fand die Akzeptanz
der Fachleute. Neben vielerlei technischer Probleme war das
Hauptproblem, Farbfernsehsendungen so zu übertragen, dass sie auch
kompatibel zu den Schwarzweiß-Fernsehern waren. Erst 1953 wurde in
Nordamerika die NTSC-Norm für Farbfernsehen eingeführt. Man war bei der
Durchsicht der in Deutschland nach dem Krieg entwendeten Patentschriften
auf das Patent von Werner Flechsig gestoßen. Der Ingenieur und
Vizepräsident der RCA Norton Goldsmith entwickelte dann eine
Farbbildröhre. 1954 begann der offizielle Sendebetrieb in Farbe. Das
Problem der Kompatibilität zu Schwarz/Weiß-Fernsehern hatte man gelöst,
indem die Farbsignale (Croma) und die Helligkeitssignale (Luma) getrennt
übertragen werden. Der Schwarz/Weiß-Fernseher empfängt also die
Helligkeitssignale, die dann das schwarz/weiße Bild ergeben, während im
Farbfernseher dann die auf einem Seitenband gesendeten Cromasignale
verarbeitet werden.
Im März 1954 brachte RCA mit dem CT100 den ersten in Großserie
produzierten Farbfernseher auf den Markt. Er hatte 36 Röhren, eine
15-Zoll-Bildröhre und kostete 1000 $, was nach heutiger Kaufkraft einem
Preis von ca. 12.000 $ entspricht. Die Bildqualität war eher bescheiden
und das Gerät war auch recht anfällig. Trotzdem waren damit die
Amerikaner den Europäern weit voraus, die erst 12 bis 13 Jahre später
mit der PAL-Norm von Walter Bruch das Farbfernsehen einführten. Der
Vorsprung der Nordamerikaner hatte aber auch seinen Preis. Die NTSC-Norm
besitzt einige Schwächen, so dass es häufig zu Farbfehlern bei der
Darstellung kommt. Daher wird die Abkürzung NTSC scherzhaft auch mit
„Never The Same Color“ übersetzt. Um diese Fehler auszugleichen, gab es
an den ersten Farbfernsehern einen Drehknopf. Das PAL-Verfahren sowie
das französische SECAM (SÉquentiel Couleur À Mémoire) hatten zum Ziel,
diese Farbfehler, die hauptsächlich auf dem Übertragungsweg durch
Phasenfehler entstehen, auszugleichen. Das bedeutete erheblich höheren
technischen Aufwand auf Sende- wie Empfängerseite. Deshalb bekam das
PAL-System von den Amerikanern den Spitznamen "Pay Additional Luxury".
Im Gegenzug bezeichnen heute noch PAL-Techniker das amerikanische NTSC
scherzhaft als "Never Twice Same Color".
Die Entscheidungen der Länder der Welt für ihr jeweiliges
Farbfernsehsystem hatten wohl hauptsächlich politischen Hintergrund.
Während viele den USA nahestehende Länder in Südamerika und Asien wie z.
B. Japan sich für NTSC entschieden, führten z. B. ehemalige
französische Kolonien oft das SECAM-System ein. Die Mehrheit der Länder,
die in den 1960er-Jahren noch kein Farbfernsehen hatten, entschieden
sich aber für PAL, darunter nach heftigen internen Diskussionen auch
England, allerdings mit der schon vorher eingeführten anderen Ton-Norm.
Die UdSSR entschied sich nach vergeblichen Versuchen, ein eigenes
Farbfernsehsystem einzuführen, neben zahlreichen anderen Ländern des
ehemaligen Warschauer Paktes für SECAM. Im Gegensatz dazu entschied sich
die Volksrepublik China für das PAL-System.
Am 25. August 1967 wurde durch einen symbolischen Druck auf einen roten
Knopf durch Außenminister Willy Brandt das Farbfernsehen in Deutschland
eröffnet. Der erste in Deutschland für das PAL-System produzierte
Fernseher war der Telefunken FE807 PAL Color. In der DDR begann das
Farbfernsehen 1969, dem 20. Jahrestag der DDR. Als Verfahren wurde auch
hier das französische SECAM gewählt. Der erste in der DDR produzierte
Farbfernseher war der RFT Color 20/1. Im Gegensatz zu den allermeisten
damaligen Farbfernsehern war er bereits volltransistoriert.
Satellitenfernsehen
Das Zeitalter des Satellitenfernsehens begann am 12. August 1960. An
diesem Tag wurde mit Echo 1 der erste passive Nachrichtensatellit in
eine Umlaufbahn um die Erde gebracht. Die Qualität der übertragenen
Fernsehbilder war allerdings sehr mäßig. Der erste aktive
Nachrichtensatellit Telstar wurde am 10. Juli 1962 in seine Umlaufbahn
gebracht. Mit seiner Hilfe wurde am 23. Juli die erste Live-Sendung für
die Eurovision aus den USA gesendet. Am 26. Juli 1963 wurde mit Syncom 2
erstmals ein Kommunikationssatellit in eine fast vollständige
geostationäre Umlaufbahn gebracht. Dies ermöglichte es, von einem festen
Punkt auf der Erde ununterbrochen Signale an einen Satelliten zu senden
oder von diesem zu empfangen. Neuartige rauscharme HEMT- Transistoren,
ermöglichten 1985 einen kostengünstigen Direkt Empfang von
Fernsehsignalen der ECS Telekommunikationssatelliten auf der
geostationären Satelliten Position 13 Grad Ost. 1987 begann mit dem
Astra 1A die Erfolgsgeschichte des europäischen Direktempfangs
Fernsehens per Satellit.
Nicht-lineares digitales Fernsehen
Herkömmliches Fernsehen war bisher immer linear, aus diesem Grund war
eine Ressource TV-Sendekanal historisch immer begrenzt und so auch
umkämpft, wer eine Ressourcen Sendekanäle kontrollieren konnte war auch
in der Lage unliebsame Mitbewerber vom Markt fernhalten. Wie nun Helmut
Thoma im Heise Forum c` t ausführte ist mit einer Verbreitung von
Fernsehen über das Internet nun diese historische Beschränkung gefallen,
per Internet stehen rein theoretisch unendlich viele TV Sendekanäle zur
Verfügung.
Das ZDF realisierte im Jahr 2007 ein neuartiges Mediathek genanntes
Sendekonzept, welches ein Potential von nicht linearem Fernsehen per
Internet verdeutlichte und heftige Kritik von privaten TV Sendeanstalten
auslöste. Diese forderten eine Begrenzung von öffentlich-rechtlich
finanzierten Online-Produkten.
Ausblick
Viele Bestrebungen, die technische Qualität zu verbessern, sind mangels
Kooperation verschiedenster Interessengruppen gescheitert. Sicher ist
die Ablösung des analogen durch das digitale Fernsehen, die beim
Satelliten-Fernsehen schon weitgehend abgeschlossen ist. Deutschland hat
sich das Ziel gesetzt, bis 2010 auf die digitale Ausstrahlung der
Fernsehprogramme umzustellen. 2003 wurde in Berlin bereits die
terrestrische analoge Fernsehausstrahlung auf digitale auf Basis von
DVB-T umgestellt. Bis Ende 2007 soll der terrestrische
Analog-Digital-Übergang in Deutschland beendet sein. Beim Kabelfernsehen
gibt es Verzögerungen. Jedoch auch dort soll in Deutschland der
Analog-Digital-Übergang bis 2010 abgeschlossen sein. (siehe dazu
Analoger „switch-off“).
Erst in der Folge wird es wohl auch zu einer Verbesserung der Bild- und
Tonqualität, insbesondere bei der Auflösung der Bilder (HDTV) kommen, da
mit der fortschreitenden Weiterentwicklung der Computertechnik
Anpassungen an zukünftige Fernsehnormen auch softwareseitig möglich
werden und dies den Zwang zum Kauf neuer Geräte vermeiden helfen könnte.
Laut Stiftung Warentest ist die höhere Auflösung von HDTV in der Regel
auch nur für Zuschauer, die recht nahe vor dem Fernseher sitzen ein
wirklicher Vorteil. Mit „HD ready“ soll zudem der Kopierschutz HDCP
etabliert werden, mit dem sich das Aufzeichnen von Filmen und Sendungen
wirksam verhindern lässt.
Die heute überwiegend auf Kathodenstrahlröhren basierenden Fernsehgeräte
werden bei sinkenden Preisen langsam von den flachen und damit
platzsparenden Plasmabildschirmen oder Flüssigkristallbildschirmen
abgelöst. Im Jahr 2006 wurden in Deutschland erstmals mehr
Flachbildfernseher verkauft als konventionelle Röhrenfernseher. Eine
weitere Alternative aber noch nicht ganz ausgereifte Technik für
Flachbildschirme sind OLED-Bildschirme, die gegenüber den beiden anderen
genannten Flachbildschirmtechnicken mehrere Vorteile
(Blickwinkelunabhängigkeit, weiter reduzierter Stromverbrauch,
schnellere Schaltzeiten, biegsam) mit sich bringen könnten. Des Weiteren
sind auch flache Röhrenfernseher in der Entwicklung, die mit der so
genannten SED-Technik (Surface Conduction Electron Emitter Display)
arbeiten. Jeder Bildpunkt bekommt dabei eine eigene kleine Röhre.
Für großformatige, kinoähnliche Abbildungen werden Videoprojektoren
(Beamer) verwendet. Ähnliche Geräte waren bereits 1936 bei den
Olympischen Spielen im Einsatz.
Mit dem Internet entsteht eine völlig neue Verbreitungsmöglichkeit von
bewegten Bildern und Ton (siehe auch IPTV), die in Konkurrenz zur
klassischen Nutzungs- und Verbreitungsform des Fernsehens (siehe oben)
treten könnte, aber deutlich weitergehende Möglichkeiten und Vorteile
bietet. Dies könnte der klassischen Verbreitungsform von Fernsehen
zunehmend das Publikum entziehen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob und
wie die Contentproduzenten dabei ihre Produktionskosten einfahren können
und wie das klassische Fernsehen darauf reagieren wird. Bill Gates
erwartet, dass in 5 Jahren oder eher, das herkömmliche Fernsehen zu
großen Teilen vom Zuschauer per Einschaltquote durch Internetfernsehen
ersetzt sein wird. Erste große Verdrängungsprozesse finden heute (1/07)
bereits statt. Auch eine Analyse des Meinungsforschungsinstitutes
Allensbach belegt, dass insbesondere bei jungen Menschen die Bedeutung
des herkömmlichen Fernsehens zugunsten des Internets abnimmt. In einer
Studie, die von der EIAA (European Interactive Advertising Association)
in Auftrag gegeben wurde, wurde festgestellt, dass bei deutschen
Jugendlichen im Alter von 16 bis 24 Jahren das Internet häufiger als das
Fernsehen genutzt wird. US-Amerikaner nutzen als Nachrichtenquellen
vorwiegend (48 Prozent) das Internet, wogegen das Fernsehen nur noch von
29 Prozent als primäre Nachrichtenquelle genutzt wird. Die
Management-Beratung Accenture stellte in einer Studie fest, dass junge
TV-Zuschauer (16-24 Jahre) auf Videoplattformen abwandern. Heute (6/08)
schauen bereits 40 Prozent dieser Altersgruppe regelmäßig Video im
Internet. Als Hauptursache werden die starren Sendezeiten beim Fernsehen
genannt. Mark Thompson, Chef der BBC, meinte auf der IFA 2008, dass die
Zukunft des Fernsehens eindeutig on-demand sei und dass das Web
vermutlich in Zukunft der wichtigste Vertriebsweg für Fernsehen sein
wird.
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